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Die kleine Raupe Nimmersatt

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Der Nadelfrass des Lärchenwicklers

 
 

Alle neun Jahre im Durchschnitt vermehrt sich dieser Nachtfalter stark. Seine Raupen fressen die Lärchen kahl, bis sie den Kampf gegen ihren Wirtsbaum und ihre natürlichen Feinde verlieren.

 

Der Graue Lärchenwickler (Zeiraphera griseana) ist auf den Lärchen im Engadin und weiteren Alpentälern Europas zu Hause. Seine Raupen fressen an den Nadelbüscheln der Lärchen, worauf die Nadeln verdorren und sich gelbbraun verfärben.

Rund alle 9 Jahre wächst die Zahl der Lärchenwicklerraupen um bis das 30'000-Fache. Die befallenen Bäume treiben im Sommer zwar nochmals aus, wachsen aber weniger stark, was an den deutlich schmaleren Jahrringen sichtbar ist.

 

Doch das Blatt wendet sich bald: In den nächsten Jahren treiben die Bäume später aus und produzieren kürzere und weniger nahrhafte Nadeln. Dadurch sterben viele Raupen ab. Zudem werden die Raupen vermehrt Opfer von parasitischen Schlupfwespen. So reguliert sich die Anzahl Lärchenwickler und die Lärche kann wieder normal wachsen.

 

Anhand von Holzproben lebender Lärchen und von Balken historischer Gebäude konnten WSL-Jahrringforschenden die Lärchenwicklerzyklen im Wallis über 1200 Jahre zurück rekonstruieren.

2018 gab es nach fast 40 Jahren ohne grossen Befall wieder eine starke Vermehrung des Falters im Engadin – der natürliche Wettstreit zwischen Lärche und Lärchenwickler geht also weiter.

 
 

Ein natürlicher Ablauf in der Walddynamik

Mitte des 20. Jahrhunderts war eine Gradation (extreme Massenvermehrung) des Lärchenwicklers im Gange. Die Tourismusbranche des Engadins drängte auf eine Behandlung der unschön aussehenden Wälder mit dem damals neuen, als Wundermittel betrachteten Insektizid DDT. Dieses wurde später tatsächlich versuchsweise im Walliser Goms eingesetzt. Langfristig waren jedoch alle Mittel hilflos.

Denn auf dem Höhepunkt einer Lärchenwickler-Gradation wandern viele Falter in tiefer gelegene Gebiete ab, und ein grosser Teil lässt sich ostwärts in benachbarte Täler verdriften. Die grossräumige Verfrachtung der Falter über den Alpenbogen hinweg stabilisiert und synchronisiert die Lärchenwicklerzyklen.